Kunst und Kultur in Bergisch Gladbach – Mein Rückblick auf das zweite Quartal 2025
Im Frühjahr gab es ein reiches Angebot an Kunst und Kultur in Bergisch Gladbach. Ich konnte folgende Events besuchen:
“Surreal Real” von Moritz Kral im Partout Kunstkabinett, Herkenrath
Die Ausstellungsreihe “Druckfrisch” in der VHS Bergisch Gladbach
Sammelausstellung “Kunst ohne Grund” im Kunstmuseum Villa Zanders, Bergisch Gladbach
“Enjoy” von Nils Peter in den Lux-Hallen, Bergisch Gladbach
Kabinettausstellung “Heute hier, morgen dort unterwegs mit Walter Lindgens” im Kunstmuseum Villa Zanders, Bergisch Gladbach
Bettina Mauel -Spiel mit dem Feuer, Partout Kunstkabinett, Herkenrath
Außerdem durfte ich bei einer Finissage dabei sein, die sprichwörtlich unter die Haut ging.
Moritz Kral – Surreal Real im Partout Kunstkabinett
Anfang April gab es ein Novum im Partout Kunstkabinett. Erstmals fanden dort zwei Ausstellungen gleichzeitig statt: die große Ausstellung von Götz Sambale in der Hauptgalerie und das neue Format „Sideways“ in den vorderen Räumen. Den Auftakt zu dieser Reihe von Seitenblicken machte der Maler Moritz Kral, dessen Ausstellung „Surreal Real“ (5. April bis 9. Mai 2025) das Publikum unmittelbar in eine faszinierende Zwischenwelt führt – irgendwo zwischen Traum, Albtraum und Wirklichkeit.
“Surreal Real”
Moritz Kral wurde 1995 in Bonn geboren. Heute lebt er in Bad Honnef und arbeitet in seinem Atelier in Königswinter. Er war Meisterschüler von Thomas Baumgärtel und kann bereits auf mehrere namhafte Ausstellungen zurückblicken.
Auf mich wirken seine Werke düster und verstörend. Sie entwerfen Bildwelten, die sich wie ein Albtraum anfühlen und dennoch eine gewisse Vertrautheit behalten. In seiner Reihe „Blue Bones“ beschäftigt sich Kral mit gesellschaftlichen Krankheitsbildern, die sich in individuellen Körper- und Erfahrungszuständen spiegeln.
Gleichzeitig bleibt in den Arbeiten ein Moment von Hoffnung spürbar: Die Farbe Blau spielt dabei eine zentrale Rolle und steht bei ihm nicht nur für Kälte oder Distanz, sondern auch für etwas Beruhigendes und Positives.
Den ausführlichen Bericht zur Ausstellung findet Ihr hier.
“Druckfrisch” in der VHS Bergisch Gladbach
Eine Kunstausstellung in der Volkshochschule – wenn ich ehrlich bin, war das fotografisch zunächst nicht unbedingt das, was ich als Highlight des Jahres bezeichnen würde. Die Flure der VHS haben einen sehr sachlichen Charme, und die Lichtfarbe der Energiesparbeleuchtung ist für Kameras oft eine Herausforderung. Umso dankbarer war ich, dass Herr Yildirim, der Hausmeister, meinem Wunsch nachkam und das Deckenlicht ausschaltete. So ließen sich auch störende Spiegelungen im Glas deutlich reduzieren.
Zur Ausstellung selbst kann ich tatsächlich gar nicht so viel sagen, außer dass 20 Kunstschaffende ihre gedruckten Werke der letzten zwei Jahre präsentierten. Da die Arbeiten „druckfrisch“ sein sollten – also maximal zwei Jahre alt –, setzen sich viele von ihnen auch mit aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen auseinander.
Zu sehen waren unter anderem:
Holzdrucke von Andrea Bryan („Magnolien“) neben Minimal-Collagrafien von Astrid Meiners‑Heithausen („Seestücke“)
Claudia Binder’s Radierung „Gaza“, bei der komplexe Verfahren eingesetzt wurden.
Arbeiten von Lothar Sütterlin, der eine Holzlatte überdruckt hat unter dem Titel „Umbruch zu einer neuen Weltordnung“ — eine Umsetzung von Zerstörung + Neuanfang zugleich.
Gerahmte Arbeiten zu fotografieren ist grundsätzlich immer eine kleine Herausforderung. Meist ist das Glas nicht entspiegelt – und so spiegeln sich schnell Lampen oder Fenster in den Bildern. Einige Tage später erwies sich genau das jedoch als glücklicher Umstand: Als ich für einen anderen Beitrag die Leiterin der VHS, Nicole Mrziglod, fotografieren durfte, kam mir diese Situation sehr zugute.
Den ausführlichen Bericht zur Ausstellung findet Ihr hier.
Kunst ohne Grund - (gefaltetes) Papier in der Villa Zanders
Die Ausstellung „Kunst ohne Grund“ im Kunstmuseum Villa Zanders widmet sich vollständig dem Medium Papier – allerdings in einer Form, die bewusst über das klassische Bild hinausgeht. Gezeigt werden Installationen, Skulpturen und Reliefs, die nicht auf dem Sockel stehen, sondern frei im Raum hängen, an Wänden oder von der Decke herab. Das Museum selbst wird dabei zum Teil der Inszenierung. Papier wird hier nicht als Träger verstanden, sondern als Körper im Raum – fragil, leicht und gleichzeitig überraschend präsent.
Die Werke stammen von rund 30 Künstlerinnen und Künstlern aus der Sammlung „Kunst aus Papier“ sowie aus Leihgaben. Dabei entstehen sehr unterschiedliche Positionen: filigrane, fast schwebende Konstruktionen treffen auf strengere, geometrische Arbeiten oder expressive Materialexperimente. Immer wieder geht es um das Spannungsfeld zwischen Stabilität und Zerbrechlichkeit, Fläche und Raum, Ordnung und Auflösung.
Fotografisch war die Ausstellung für mich vor allem eine Übung im Umgang mit Raum und Licht. Die Arbeiten reagieren stark auf ihre Umgebung – und genau das macht sie zugleich reizvoll und schwierig zu fotografieren. Schatten, Durchblicke und Überlagerungen spielen hier eine ebenso große Rolle wie das Objekt selbst.
Am Ende bleibt der Eindruck einer Ausstellung, die weniger Objekte präsentiert als vielmehr Zustände: Schweben, Verdichten, Auflösen – alles scheint hier in Bewegung zu sein, obwohl das Material selbst so fragil wirkt.
Den ausführlichen Bericht zur Ausstellung findet Ihr hier.
Enjoy - Nils Peter
Mit der Ausstellung „Enjoy“ von Nils Peter begann in den Lux-Hallen etwas, das weit über eine einzelne Kunstausstellung hinausgeht. Wo über drei Generationen hinweg Baustoffe verkauft wurden, entwickelt Michael Lux Schritt für Schritt einen Ort für Kunst, Kultur und Begegnung. Die rohe Architektur der ehemaligen Lagerhallen ist dabei bewusst erhalten geblieben und prägt die besondere Atmosphäre des Geländes.
Die Arbeiten von Nils Peter bildeten den passenden Auftakt: humorvoll, nachdenklich und nah am Alltag. Doch ebenso wichtig wie die Kunst war der Blick auf den Ort selbst. Zwischen alten Hallen, begrüntem Innenhof, Bücherschrank, Kiosk und improvisierten Sitzgelegenheiten entstand ein Raum, der weniger wie eine klassische Galerie wirkt als wie ein Treffpunkt für Nachbarschaft, Kultur und Austausch.
Die Ausstellung markierte damit den Beginn eines offenen Experiments. Noch ist vieles im Wandel, manches unfertig und vieles denkbar. Gerade darin liegt jedoch der Reiz der Lux-Hallen: Sie verstehen sich nicht als fertiges Kulturprojekt, sondern als Ort, der sich gemeinsam mit den Menschen entwickelt, die ihn nutzen und mit Leben füllen.
Den ausführlichen Bericht zur Ausstellung findet Ihr hier
Heute hier, morgen dort
Walter Lindgens wurde 1893 in Köln-Mülheim geboren und lebte später viele Jahre in Rösrath. Sein künstlerisches Schaffen war eng mit seinen Reisen verbunden, die ihn immer wieder zu neuen Motiven und Eindrücken führten. Kurz vor seinem Tod vermachte er der Villa Zanders rund 500 Werke – eigene Arbeiten ebenso wie Kunst von befreundeten Künstlern. Diese Schenkung gilt als Grundstein des heutigen Kunstmuseums Villa Zanders.
Lange Zeit waren seine Werke in den Kabinetträumen des Hauses dauerhaft präsent; heute werden sie immer wieder in wechselnden Ausstellungen und neuen Zusammenhängen gezeigt.
Den ausführlichen Bericht zur Ausstellung findet Ihr hier
Finissage Enjoy
Mit „Enjoy” ist die erste Kunstausstellung in den Heidkamper Lux-Hallen nach gut drei Wochen zu Ende gegangen. Am Schluss steht ein ungewöhnliches Event: Besucher:innen konnten sich ausgewählte Motive aus der Ausstellung tätowieren lassen.
Schon bei meinem ersten Besuch der Ausstellung „Enjoy“ in den Lux-Hallen war mir der Hinweis zum „Tattoo Walk-in” aufgefallen. Was genau dahintersteckte, wurde erst beim Lesen des Flyers klar: „Der Künstler wird anwesend sein und ausgewählte Motive gegen einen kleinen Obolus tätowieren.“
Eine Finissage, bei der der Künstler persönlich Tattoos sticht? Ungewöhnlich – und genau deshalb spannend. Denn Tattoos sind meist viel mehr als bloßer Körperschmuck: Persönliche Erinnerungen, Statements, Wegmarken. Wie viele Menschen würden sich tatsächlich ein Kunstwerk unter die Haut stechen lassen? Und warum?
Schon beim Eintreffen ist vor der Halle reger Betrieb – fast alle Sitzplätze im Außenbereich sind besetzt. Drinnen schauen sich Besucher:innen die Ausstellung an, beobachten das Tattoo-Geschehen oder warten darauf, selbst an der Reihe zu sein.
Joao, ein kunstaffiner Filmstudent, bekommt das erste Tattoo des Tages. Dabei war sein Motiv kein Original aus der Ausstellung, sondern die Weiterentwicklung einer Arbeit von Nils Peter.
Auf die Frage nach dem „Warum“ erzählt er mir, dass ihm die Arbeiten des Kölner Künstler sehr gut gefallen und dieses Motiv zu den zahlreichen Tätowierungen auf seinen Armen passe. Er verbinde mit einem Tattoo selten ein spezielles Ereignis. Vielmehr erinnere ihn fast jedes Tattoo an einen bestimmten Zeitraum oder Lebensabschnitt.
In der Zwischenzeit ist schon das nächste Tattoo fertig – ein Originalmotiv aus der Ausstellung auf der Wade eines Besuchers. Es mutet fast ein wenig wie Fließbandarbeit an: Motiv ausdrucken, auf die Haut kleben, stechen, Utensilien desinfizieren, in Folie einpacken – der Nächste bitte!
Unterbrochen wird diese Routine von ein paar jungen Damen, die zwar noch nicht alt genug sind, um sich ein Tattoo stechen zu lassen, die Motive aber trotzdem für eine Weile auf ihrer Haut tragen wollen. In diesem Fall muss der Stencil, eine Art Schablone auf Transferpapier, mit dem das Tattoo-Motiv vor dem Stechen auf die Haut übertragen wird, ausreichen.
Nachdem der Nachwuchs mit „Tattoos“ versorgt wurde, ist Manisha an der Reihe. Sie hatte schon während der Vernissage den Entschluss gefasst, den lang gehegten Wunsch nach einem Tattoo nun in die Tat umzusetzen.
Das Motiv war zwar in der Ausstellung schon gefunden, aber dennoch hatte sie in den folgenden Tagen einige Zeit auf Nils Peters Instagram-Profil verbracht, um zu schauen, ob es wirklich das richtige ist.
Nachdem alle Wartenden ihr Tattoo erhalten haben, findet auch der Künstler Zeit, die Besucher:innen zu begrüßen und ein paar kleinere Privatführungen anzubieten. Dabei erzählt er, dass diese Tattoo-Aktion auch für ihn etwas ganz besonderes sei: „Ich empfinde eine besondere Verbindung zu den Menschen. Schließlich tragen sie meine Werke auf ewig unter der Haut.“
Auch ich spiele für einen Moment mit dem Gedanken, mir ein Motiv stechen zu lassen. Besonders eine Zeichnung mit dem Titel „Perfection is a lie“ hat es mir angetan. Inhaltlich hätte sie für mich eine persönliche Bedeutung – doch das Werk ist bereits verkauft. Und Nils Peter legt großen Wert darauf, dass jedes Tattoo ein Unikat bleibt.
So bleibt meine Haut unversehrt – aber mein Eindruck von diesem Abend ist tief: Eine Finissage, bei der Kunst, Körper und Emotion auf so direkte Weise zusammenkommen, ist selten.
Spiel mit dem Feuer
Mit „Spiel mit dem Feuer“ zeigte Bettina Mauel im Kunstkabinett Partout eine Ausstellung zwischen Natur, Zerstörung und ungewisser Zukunft. Im Mittelpunkt stand ihre Installation „Apokalypse im Dialog“, in der sie Naturbilder und Szenen von Katastrophen gegenüberstellt. Die großformatigen Arbeiten greifen Themen wie Klimakrise, Krieg und gesellschaftliche Umbrüche auf, ohne einfache Antworten zu liefern. Statt den Weltuntergang zu beschwören, richtet Mauel den Blick auf die Frage, was nach der Krise kommen könnte – und ob der Mensch darin überhaupt noch eine Rolle spielt. Eine eindringliche Ausstellung, die aktuelle Ängste aufgreift und zugleich Raum für eigene Deutungen lässt.
Den ausführlichen Bericht zur Ausstellung findet Ihr hier