Side Story - Vom Aufbau des Musikexpress
An diesem Wochenende ist es wieder soweit: Die Kirmes ist in der Stadt. Der Duft von Popcorn und gebrannten Mandeln liegt in der Luft, Musik ertönt aus allen Ecken und gerade nach Sonnenuntergang ergeben sich die schönsten Fotomotive. Mich hat allerdings schon immer auch der Aufbau der Fahrgeschäfte interessiert. Und die Frage, wie Schausteller während der Kirmes eigentlich wohnen und leben.
Darum bin ich vor zwei Jahren einfach mal losgezogen und habe spontan ein paar Schausteller gefragt, ob ich beim Aufbau Fotos machen dürfe. (Die Fotostory findet Ihr hier) Ich war sehr erstaunt, wie freundlich und zugewandt sie trotz des Zeitdrucks und der anstrengenden Arbeit waren. Das Thema hat mich danach nicht mehr so richtig losgelassen. Schon damals reifte die Idee, irgendwann einmal den Aufbau eines Karussells komplett zu begleiten und dabei auch hinter die Kulissen zu schauen.
Anfang Mai dieses Jahres saßen wir dann auf der Arbeit zusammen. In der Redaktionssitzung wurden anstehende Themen besprochen und ich plapperte meine Idee einfach mal aus. Eigentlich war ich davon ausgegangen, mehr Überzeugungsarbeit leisten zu müssen. Aber meine Kollegin Kathy war gleich begeistert. Und die Begeisterung wurde nicht kleiner, als ich die Geschichte weiter ausschmückte und erzählte, dass ich auch hinter die Kulissen schauen wollte.
Als klar war, dass meine Kollegin mitmachen würde, musste ich nur noch „Mr. Kirmes“ Burkhard Unrau überzeugen. Denn er sollte die Schausteller von unserer Idee überzeugen. Wer Unrau kennt, wird ahnen, dass das Gespräch recht kurz war. „Dat kriejen mer hin, Jung“, waren seine Worte. Und mit einer Sache sollte er ebenfalls recht behalten: In der Woche des Aufbaus müssten wir ziemlich flexibel reagieren, denn so ein Aufbau sei kaum planbar.
Dass Unrau nicht zu viel versprochen hatte, zeigte sich dann gleich am ersten Tag. Der Aufbau lief nicht richtig an, weil der Stromanschluss noch nicht vorhanden war. Also beschlossen wir, dass ich erst am nächsten Tag zum Kirmesplatz fahren würde.
Untätig waren Inhaber Michael Krause und sein Team aber trotz des fehlenden Stromanschlusses nicht. Als ich am Dienstagvormittag eintraf, war der Mittelbau, also die Basis des Karussells, schon aufgebockt und ausgerichtet. Die Dachplane war montiert und als Nächstes stand der Lampen-Check an. Solange das Dach noch nicht auf seine endgültige Höhe ausgefahren war, ließen sich die rund 40.000 Lampen leichter erreichen und austauschen.
Aber auch unter dem Dach wurde fleißig gearbeitet. Aus unzähligen Profilen, Stangen und Trägern entstand Stück für Stück der Unterbau für den Boden und die Fahrspur der Gondeln. Am Ende des Tages hatten die Jungs mein Tagesziel erreicht: Das Dach war oben, der Boden war eingebaut und ich konnte das erste Foto machen, das langsam nach Karussell aussah. So kann man arbeiten. ;-)
Wie unglaublich schnell die fünf Männer waren, zeigte sich dann am Mittwoch - zu meinem Leidwesen. Obwohl ich um 10:30 Uhr am Fahrgeschäft war, waren die Achsen, die Gondeln und das Reko-Häuschen, von dem aus später Musik und Ansagen gesteuert werden, bereits eingebaut. Dabei wollte ich doch unbedingt fotografieren, wie die Gondeln mit dem Kran eingebaut werden.
Der Einbau der Gondeln scheint eine wichtige Wegmarke zu sein, denn man konnte jetzt spüren, dass der ganz große Druck weg war. Nun standen vor allem Großreinemachen und kleinere Arbeiten an. Aus fotografischer Sicht waren die großen Motive also durch. Aber so bot sich endlich die Möglichkeit, ein paar Porträts vom Team zu machen und ein wenig zu quatschen.
Apropos Team: Ich wollte doch noch unbedingt erfahren, wie die Schausteller während ihrer Reisen leben und wohnen.
Wenn ich mir vorher das Leben der Schausteller vorstellte, hatte ich gleich Bilder von Wohnwagenparks, gemeinsamen Abenden und Vibes von Van-Life im Kopf. Und naja, das Bild vom Wohnwagenpark hat sich schon irgendwie bestätigt. Aber ganz so romantisch ist es dann wohl doch nicht.
Kai, einer der Mitarbeiter von Krause, war so nett, uns während der Mittagspause sein Reich zu zeigen: Eine kleine Einheit mit Bett, einem Kühlschrank, einem kleinen Tisch und wenigen Aufbewahrungsmöbeln. Dusche und WC sind nebenan. Das ist dann wohl Tiny-House-Feeling in Reinform. Aber Kai versicherte uns, dass er alles habe, was er brauche, bevor er uns etwas von seinem selbst gekochten Chili con Carne anbot.
Eigentlich war mein Job damit auch getan. Zwei (halbe) Tage hatte ich bei den Jungs verbracht. Der Musikexpress war mittlerweile startklar und fertig für die technische Prüfung, also die erste richtige Fahrt nach dem Aufbau. Ein Fotomotiv, das ich auf keinen Fall auslassen wollte. Allerdings stand die Prüfung erst am Donnerstag an. Und schon wieder bestätigte sich Unraus Prophezeiung. Man muss flexibel sein, denn die Fahrt fand tatsächlich erst am Abend statt. Aber dafür habe ich unzählige Bilder vom Putzen des Fahrgeschäfts. :-D
Die Probefahrt habe ich mir allerdings trotzdem nicht nehmen lassen. ;-)
So hat es also zwei Jahre gedauert, bis ich endlich mal dazu gekommen bin, eine lang gehegte Fotoidee umzusetzen. Und es freut mich riesig, dass sich meine wundervolle Kollegin Kathy für den Tüddelkram begeistern konnte und daraus ein großartiger Artikel im Bürgerportal entstanden ist. Den Artikel findet Ihr übrigens hier.
Und ganz nebenbei hatte ich auch noch die Möglichkeit, mich auf dem Kirmesplatz umzuschauen und ein paar Karussells zu knipsen.
Und wer jetzt noch immer nicht genug hat, kann sich gerne ein paar Nachtbilder von der Augustkirmes 2024 anschauen.