Die Wirkung des Nichtseins

Mahyar Noorejahan

Ich fürchte, ich habe mich ein wenig verrannt. Seit einer halben Ewigkeit sitze ich an diesem Text und versuche, eine Geschichte über die Begegnung mit Mahyar Noorejahan zu erzählen. Eine Begegnung, die mir viel bedeutet. Aber es will mir nicht gelingen.

Wahrscheinlich deshalb, weil manche Begegnungen einfach bereichernd und wertvoll sind, ohne dass sie gleich die große Geschichte erzählen müssen.

Kennengelernt habe ich Mahyar bei der Ausstellung !MenschSein von Hartmut Schneider und Christoph Gerhartz. Nach dem Pressetermin saßen wir noch in kleiner Runde zusammen, als Mahyar hinzukam. Er wollte sich anschauen, wie eine Ausstellung in den Lux-Hallen aussehen kann – schließlich sollte dort schon bald seine eigene Ausstellung stattfinden.

Schon bei dieser ersten Begegnung fiel mir seine Herzlichkeit auf. Manche Menschen wirken sympathisch, noch bevor sie überhaupt etwas gesagt haben. Wir unterhielten uns eine ganze Weile, und Mahyar erzählte, dass er bei seiner Vernissage ein besonderes Instrument spielen würde – ein Tanbur, eine dreisaitige Langhalslaute aus dem persischen Kulturraum.

Mahyar Noorejahan im Gespräch mit Reporterin Laura Geyer

Zwei Wochen später trafen wir uns bei seiner Ausstellung Wirkung des Nichtseins zum Pressetermin. Während Mahyar meiner Kollegin seine Geschichte erzählte, streifte ich mit der Kamera durch die Ausstellung. Zumindest war das der Plan. Tatsächlich war ich immer wieder von seinen Erzählungen abgelenkt.

Mahyar berichtete von der iranischen Kultur und seinem Leben im Iran. Von seiner Beschäftigung mit Kunst, seiner Arbeit als Bilderrahmenbauer und davon, wie er schließlich nach Deutschland kam. Und irgendwann war da plötzlich wieder das Tanbur.

Zusammen mit seiner Partnerin Raheleh Foyuzi – Musikerin und Psychologin – spielte Mahyar einige Stücke. Und schon wieder hätte ich fast das Fotografieren vergessen. Ich hätte den beiden stundenlang zuhören können.

Mahyar Noorejahan und Raheleh Foyuzi spielen auf dem Tanbur

Natürlich ging es an diesem Nachmittag auch um Mahyars Kunst. Seine Arbeiten beschäftigen sich mit Erfahrungen, Erinnerungen, Migration und den Spuren, die all das in einem Menschen hinterlässt. Mahyar vergleicht Lebenserfahrungen mit Farbschichten. Diese trägt er mit dem Spachtel auf, bricht sie wieder auf und verbindet sie durch Kratzspuren neu miteinander. So entstehen Bilder, die von Erinnerungen und Erfahrungen erzählen, ohne sie eindeutig festzuschreiben.

Beeindruckt hat mich aber nicht nur seine Kunst, sondern auch die Ruhe und Nachdenklichkeit, mit der Mahyar über Menschen und Gesellschaft spricht. Nachdem die Interviews beendet und die offiziellen Fotos gemacht waren, standen wir noch lange zusammen und sprachen über Gesellschaft, Politik und darüber, dass Integration nur durch Gemeinschaft gelingen kann.

Und zum erneuten Mal an diesem Nachmittag hätte ich beinahe das Fotografieren vergessen.

Später durfte ich übrigens auch noch Raheleh fotografieren. Ich liebe die großen Fenster in den Lux-Hallen. Selbstredend, dass es ein Porträt bei Fensterlicht wurde.

Raheleh Foyuzi

An dieser Stelle müsste jetzt vermutlich ein kluges Fazit stehen.

Vielleicht ist mein Fazit aber einfach, dass nicht jede Begegnung eine große Geschichte erzählen muss. Manche Begegnungen sind einfach nur bereichernd. Und dieses Nichtsein reicht manchmal völlig aus.

Ich freue mich jedenfalls schon jetzt auf die nächste Begegnung mit Mahyar Noorejahan – diesem unglaublich herzlichen Künstler mit seiner spannenden Lebensgeschichte.

Das ausführliche Künstlerporträt findet Ihr übrigens hier.


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Kunst und Kultur - April bis Juni 2026

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