Erinnerungen aus Papier

John Gerard im Papiermuseum Alte Dombach

Blick durch den Ausstellungsraum auf ein großformatiges Kunstwerk aus Papier von John Gerard im Papiermuseum Alte Dombach.

Blick in die Ausstellung “Papier!” im Papiermuseum Alte Dombach

Papier begegnet uns jeden Tag. Wir schreiben darauf, verpacken Dinge darin oder werfen es achtlos ins Altpapier. Kaum jemand macht sich Gedanken darüber, wie sich Papier anfühlt – oder sogar, wie es klingt.

Genau darum geht es John Gerard.

Der Papierkünstler und Buchgestalter beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit einem Material, das für die meisten von uns selbstverständlich geworden ist. In der aktuellen Ausstellung „PAPIER!“ in der Papiermühle Alte Dombach zeigt er nicht nur kunstvolle Objekte, Bilder und Künstlerbücher. Er zeigt vor allem eine andere Sicht auf Papier.

Verschiedene Papiere fühlen sich unterschiedlich an, erklärt Gerard. Manche klingen sogar unterschiedlich. Für seine Arbeiten experimentiert er oft monatelang mit Flachs, Baumwolle, Hanf und anderen Fasern, bis Material, Farben und Idee zusammenpassen.

Kunstobjekt aus Papierfasern in der Ausstellung „Papier!“ von John Gerard im Papiermuseum Alte Dombach in Bergisch Gladbach.

Verschiedene Fasern als Grundlage für Papier.

Dabei geht es ihm offenbar nur bedingt um Perfektion um ihrer selbst willen. Viele seiner Werke tragen Erinnerungen, Geschichten und menschliche Erfahrungen in sich. Besonders eindrucksvoll sind jene Arbeiten, die als Zeichen des Gedenkens entstanden. Für das „Gedenkbuch an die Opfer von Corona“ hat er beispielsweise getragene Jeans und die weiße Bluse eines Corona-Opfers zu Papier verarbeitet. Ähnlich berührend ist ein Werk, das den Opfern der Flutkatastrophe im Ahrtal gewidmet ist.

Auf einer Vitrine präsentiertes Kunstobjekt aus blauen Stofffragmenten in der Ausstellung „Papier!“ von John Gerard.

Für sein Gedenkbuch an die Opfer von Corona hat Gerard die Jeans und eine Bluse eines Opfers zu Papier verarbeitet.

Darüber hinaus kommen all seine Kunstbücher ohne Leim und Klebstoff aus. Die Bindungen bestehen aus speziell auf das jeweilige Papier abgestimmten Falttechniken und symbolisieren so die Fragilität des Lebens, wie etwa bei “House of cards”, einem Gedenkbuch für die Menschen, die beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs ihr Leben verloren. In diesen Arbeiten wird Papier zum Träger von Erinnerung. Nicht als bedruckte Fläche, sondern als Teil der Aussage selbst.

Aus gefaltetem Papier gestaltetes Kunstwerk „House of Cards“ von John Gerard im Papiermuseum Alte Dombach.

Mit seinem Gedenkbuch “House of cards” erinnert Gerard an den Einsturz des Kölner Stadtarchivs im Jahr 2009

Überhaupt sind die Künstlerbücher das Herzstück der Ausstellung. Sie wirken still und beinahe poetisch. Manche erzählen Geschichten, andere bewahren Gedanken oder Erinnerungen. Sie laden dazu ein, langsamer zu werden und genauer hinzusehen.

Natürlich zeigt die Ausstellung auch die handwerkliche Seite der Papierkunst. Werkzeuge, Faserproben und Fotos aus Gerards Werkstatt machen sichtbar, wie viel Erfahrung und Geduld hinter jedem Werk stehen. Doch am Ende bleibt weniger die technische Meisterschaft im Gedächtnis als die Erkenntnis, dass Papier weit mehr sein kann als ein Gebrauchsgegenstand.

Vielleicht ist genau das die Stärke dieser Ausstellung: Sie verändert den Blick auf etwas, das wir jeden Tag in den Händen halten.

Mitmach- und Werkstattbereich der Ausstellung „Papier!“ im Papiermuseum Alte Dombach.

Am Ende der Ausstellung ist eine improvisiert Papierwerkstatt aufgebaut. Hier finden auch die Workshops zum Papierschöpfen statt.

Die Ausstellung ist noch bis in den November 2026 zu sehen. Infos zur Ausstellung und zu den Workshops findet Ihr hier.


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Kunst und Kultur - Januar bis März 2026