Trügerische Landschaft – AdK im Kalandersaal

Auf diese Ausstellung hatte ich mich schon lange gefreut. Nicht zuletzt wegen des Ortes. Ich mag den Kalandersaal auf dem ehemaligen Zanders-Gelände. Die riesige alte Industriehalle mit ihren hohen Fenstern, den verwitterten Wänden und ihrer ganz eigenen Atmosphäre.

Ich würde mir wünschen, dass dieser Ort auch nach der Umgestaltung des Zanders-Geländes erhalten bleibt und künftig viel häufiger für Kunst, Kultur und gesellschaftliche Veranstaltungen genutzt wird. Niederschwellig, ohne große Eintrittspreise. Ein bisschen rau, eigenwillig und offen für alle.

Als ich den Kalandersaal einen Tag vor der Vernissage betrat, war die Ausstellung bereits fertig aufgebaut. Keine Besucher, keine Gespräche, nur die Kunst und dieser beeindruckende Raum.

Die Halle selbst lag weitgehend im Dunkeln. Die einzelnen Werke wurden gezielt, teilweise farbig beleuchtet und schienen regelrecht aus der Dunkelheit hervorzutreten. Zusammen mit den alten Industriefenstern, den rauen Wänden und den gewaltigen Dimensionen des Saals entstand eine Atmosphäre, die mich schon beim Betreten beeindruckte.

40 Jahre nach Tschernobyl

Die Ausstellung „Trügerische Landschaft“ des Arbeitskreises der Künstler Bergisch Gladbach (AdK) beschäftigte sich mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und ihren Folgen. Rund 30 Kunstschaffende näherten sich dem Thema mit Malerei, Fotografie, Skulpturen und Installationen.

Die ursprüngliche Idee stammte von Gisela Schwarz, die den AdK viele Jahre geprägt hatte und im Dezember 2025 verstorben war. Was ich bis dahin nicht wusste: Gisela hatte selbst einen sehr persönlichen Bezug zu Tschernobyl.

Im Gedenken an Gisela Schwarz

In den 1990er-Jahren war sie mehrfach in den betroffenen Gebieten unterwegs, fotografierte unter anderem in Kinderkrankenhäusern und engagierte sich für Hilfsprojekte. Einige ihrer damaligen Fotografien waren nun im Kalandersaal zu sehen.

Leise Bilder, schwere Schicksale

Von all den unterschiedlichen Arbeiten der Ausstellung sind mir Giselas Fotografien besonders in Erinnerung geblieben.

Eine Mutter sitzt mit ihrem Sohn vor der Kamera. Ein kleiner Junge sitzt auf einer Bettkante, die Beine baumeln herunter. Ein Mädchen lächelt und hält die Hände vor den Mund.

Es sind ganz einfache, dokumentarische Porträts. Keine dramatische Inszenierung, keine fotografischen Effekte. Die Menschen schauen in die Kamera, manche ernst, andere lächelnd. Auf den ersten Blick sind es beinahe alltägliche Szenen.

Erst die kurzen Texte unter den Fotografien erzählen von den schweren Erkrankungen und den Schicksalen dieser Menschen.

Was mich an diesen Bildern besonders beeindruckt hat, ist ihre Zurückhaltung. Gisela zeigt Menschen, die schweres Leid erfahren haben, ohne sie darauf zu reduzieren. Sie macht aus ihnen keine bloßen Opfer. Ihre Fotografien lassen ihnen ihre Persönlichkeit und ihre Würde.

Es sind leise Bilder, die viel erzählen. Ganz ohne große fotografische Gesten.

Den ausführlichen Beitrag im Bürgerportal findet Ihr hier.

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