Sein und Zeit – Manuele Klein und Detlev Weigand
Eigentlich hat mich die Tür gestört.
Sie lehnte in den LUX-Hallen unmittelbar neben einer Arbeit von Detlev Weigand an der Wand und war für mein Foto zunächst einfach im Weg. Bis ich mich fragte, ob sie dort überhaupt zufällig stand. War sie Teil des Kunstwerks? Teil der Ausstellung? Oder schlicht eine Tür?
Eine gar nicht so abwegige Frage. Weigand bezeichnet seine Kunst als „dadafluxistische Volkskunst“. Eine Wortschöpfung, mit der er sich auf zwei tatsächliche Kunstbewegungen bezieht: Dadaismus und Fluxus. Beide haben auf unterschiedliche Weise die Grenzen zwischen Kunst und Alltag infrage gestellt. Auch Alltagsgegenstände können dabei Teil eines Kunstwerks werden.
Und die LUX-Hallen machen es einem nicht unbedingt leichter. Die ehemalige Baustoffhandlung ist voller Überbleibsel aus ihrer früheren Nutzung. Alte Tachoscheiben, ein lederner Armlehnenstuhl, halb verdorrte Schnittblumen. Zwischen den Arbeiten von Weigand und Manuele Klein verschwimmen die Grenzen zwischen Kunst und Inventar manchmal erstaunlich.
Die Hallen spielen mit
Die Ausstellung „Sein und Zeit“ beschäftigte sich mit Gegenwart, Erinnerung, Veränderung und den Spuren, die Zeit hinterlässt. Dazu passten die alten Hallen mit ihrer sichtbaren Vergangenheit ausgesprochen gut. Ich ertappte mich jedenfalls dabei, dass ich plötzlich Dinge genauer betrachtete, an denen ich sonst achtlos vorbeigegangen wäre.
Beim Fototermin erzählte ich Weigand von meiner Unsicherheit. Ob andere Besucher wohl ebenfalls vor irgendwelchen Gegenständen stehen und sich fragen, ob sie gerade Kunst betrachten oder Inventar?
Ihn störte das überhaupt nicht. Man müsse keine Ahnung von Kunst haben, erklärte er sinngemäß. Wichtiger sei, dass Menschen sehen und wahrnehmen.
Das hat mir gefallen. Ich interessiere mich sehr für Kunst, habe aber keine besonders große kunsthistorische Sachkenntnis. Und ich möchte mich auch gar nicht erst durch sämtliche kunsthistorischen Epochen arbeiten müssen, bevor ich eine Ausstellung besuchen “darf”.
Über diese Begegnung, die Arbeiten von Manuele Klein und Detlev Weigand und meinen etwas eigenwilligen Versuch, eine Arbeit mit Charlton Heston aus Soylent Green zu verstehen, habe ich auch ausführlich im Bürgerportal geschrieben.
Die Tür gehörte übrigens nicht zur Ausstellung.