Paper Minds in der Villa Zanders
25 Künstlerinnen und Künstler, ein Material: Papier. In der Ausstellung „Paper Minds – Konkrete Kunst aus Papier“ in der Villa Zanders wird es geschnitten, gefaltet, geschichtet und perforiert. Es entstehen geometrische Formen, filigrane Strukturen und Arbeiten, die sich teilweise weit in den Raum erstrecken. Papier ist hier nicht einfach nur Untergrund, sondern selbst das Kunstwerk.
Eine Arbeit von Fiene Scharp erinnerte mich aus einiger Entfernung zunächst an einen Busfahrplan. Tatsächlich handelt es sich bei „untitled, FS-91-204“ aus dem Jahr 2025 um einen filigranen Papierschnitt. Ein streng geometrisches Raster aus feinen Linien und Aussparungen, dessen räumliche Wirkung erst bei näherem Hinsehen deutlich wird.
Die Kunst des Weglassens
Einen anderen Ansatz verfolgt der niederländische Künstler herman de vries. Der ausgebildete Gärtner arbeitete jahrelang in der biologischen Forschung und beschäftigte sich schon früh auch künstlerisch mit Ordnung, Zufall und Wahrnehmung.
Seine Arbeit „Relativ leere Blätter“ aus der Zeit um 1971 besteht aus einer Mappe mit Textblatt und sechs Kartonschnitten. Die ausgestellten Skizzen zeigen seine Überlegungen zur Anordnung von Flächen und Ausschnitten. Hier geht es weniger darum, das Papier mit etwas zu füllen, als vielmehr darum, die Leere selbst sichtbar zu machen. Licht und Schatten verleihen den Ausschnitten dabei eine räumliche Wirkung.
Eine kleine Eigenheit des Künstlers: herman de vries schreibt seinen Namen konsequent klein. Er möchte damit sprachliche Hierarchien vermeiden.
Ein Stück Bergisch Gladbach reist um die Welt
Eine andere Geschichte ist mir von meinem Besuch besonders in Erinnerung geblieben. Die brasilianische Künstlerin Isabelle Borges arbeitet gerne mit Chromolux, einem hochglänzenden Papier, das auch bei anderen Künstlerinnen und Künstlern beliebt ist.
Ausgerechnet bei ihrem Besuch in der Villa Zanders erfuhr sie, dass Chromolux aus Bergisch Gladbach stammt. Hergestellt wurde es von der inzwischen geschlossenen Papierfabrik Zanders, deren Geschichte eng mit dem heutigen Kunstmuseum verbunden ist.
Ein Papier reist also durch die Kunstwelt und bringt eine Künstlerin irgendwann an den Ort seiner eigenen Geschichte zurück. Nur die Fabrik, aus der es einmal kam, gibt es nicht mehr.
Paper Minds Konkrete Kunst aus Papier
18.9.2026–4.4.2027
Künstlerinnen und Künstler: Frank Badur, Joost Baljeu, Anne Behrens, Isabelle Borges, Hartmut Böhm, Enrico Castellani, herman de vries, Alwin Dorok, Eberhard Fiebig, Friedrich Friedl, Raimund Girke, Tibor Gáyor, Erwin Heerich, Mischa Kuball, František Kyncl, Werner Mally, Fiene Scharp, Nora Schattauer, Hans Schmidt, Jan J. Schoonhoven, Klaus Staudt, Henryk Stażewski, Günther Uecker, Ulrich Wagner, Ryszard Winiarski
Kuratorinnen Dr. Ina Dinter Wibke Müller
Eröffnung 17.9.2026, 19:30 Uhr
Öffnungszeiten:
Di und Fr 14 bis 18 Uhr
Mi und Sa 10 bis 18 Uhr
Do 14 bis 20 Uhr
Sonn und Feiertage 11 bis 18 Uhr
Mehr Infos beim Kunstmuseum Villa Zanders