Kunst und Kultur - Juli bis September2026
Zwischen Juli und September hatte ich acht Ausstellungen in Bergisch Gladbach auf der Agenda. Vom kuriosen Sammelsurium im Schulmuseum über Kunst aus Blut und ausgediente Tischtennisplatten bis zu ganz persönlichen Begegnungen mit Künstlerinnen und Künstlern.
Was sich angesammelt hat … – Kurioses, Vergessenes und Vertrautes aus dem Archiv des Schulmuseums
“Am Rande des Vulkans” in der Villa Zanders
“Vierzig Schatten von Weiß”: Veronika Moos im Partout Kunstkabinett
Kunstmesse “Eine Zeitreise” im Basement 16
“Trügerische Landschaft” im Kalandersaal auf Zander
Sein und Zeit: Manuele Klein und Detlev Weigand in den Lux-Hallen
Paper Minds im Kunstmuseum Villa Zanders
Anibal Maximilian Kostka: “Offenes Feld” Partout Kunstkabinett
Ein fotografischer Rückblick auf drei Monate Kunst und Kultur.
Was sich angesammelt hat…
Anfang Juli begann mein Ausstellungsquartal mit einer kleinen Zeitreise im Schulmuseum Katterbach. Als ich ankam, kam mir gerade eine Grundschulklasse entgegen, frisch aus dem historischen Unterricht und entsprechend gekleidet. Ein ziemlich süßer Empfang.
Danach zeigte mir Museumsleiter Dominik Olbrisch, was bei der Inventarisierung des Archivs so alles zum Vorschein gekommen war. Darunter ein riesiges Krokodil und das Gegengewicht eines Aufzugs, von dem heute niemand mehr weiß, warum es überhaupt aufgehoben wurde.
Wie umfangreich die Sammlung ist, veranschaulichen drei Einmachgläser voller Knöpfe. Jeder Knopf steht für zehn Objekte, Bücher oder Filmrollen im Archiv.
Und am Ende dürfen die jüngsten Besucher selbst erzählen, was sie sammeln und aufheben würden. Ihre Antworten werden auf kleinen Karten in der Ausstellung aufgehängt.
Eigentlich eine schöne Frage: Was ist uns wichtig genug, dass wir es aufheben wollen?
Am Rande des Vulkans
Deutlich existenzieller wurde es im Juli in der Villa Zanders. Die Kabinettausstellung „Am Rande des Vulkans – Blut als Material in der Kunst“ stellte Arbeiten des Kölner Künstlers Peter Gilles in den Mittelpunkt, ergänzt durch Werke unter anderem von Joseph Beuys, Jenny Holzer, Hermann Nitsch und Felix Droese.
Der Ausstellungstitel war durchaus wörtlich zu verstehen: Gilles suchte für seine Kunst immer wieder körperliche Grenzsituationen auf und arbeitete tatsächlich am Rand eines Vulkans. Vor allem aber machte er seinen eigenen Körper zum künstlerischen Mittel. Für Zeichnungen und lebensgroße Körperabdrücke verwendete er unter anderem sein eigenes Blut.
Die Ausstellung zeigte, wie unterschiedlich Blut in der Kunst eingesetzt wird: als Material, als Spur des eigenen Körpers und als Symbol. Was normalerweise verborgen im Körper zirkuliert, wurde hier selbst zum Bestandteil der Kunstwerke.
Vierzig Schatten von Weiß
Veronika Moos war für mich keine Unbekannte. Ich hatte sie und ihre Arbeiten schon früher fotografiert. Eines meiner damaligen Porträts schaffte es später sogar in einen ihrer Kataloge.
Im Juli zeigte sie im Partout Kunstkabinett ihre Ausstellung „vierzig schatten von weiß“. Der Titel steht für rund vier Jahrzehnte künstlerischer Arbeit. Moos beschäftigt sich mit Materialien und Strukturen aus der Natur, ohne sich auf eine bestimmte Technik festzulegen. Zu sehen waren Zeichnungen, Fotografien, Cyanotypien und große, teilweise frei im Raum hängende Arbeiten.
Aus Papier, Garn, Pflanzen und Fundstücken entstehen feine, oft fast durchscheinende Gebilde, die je nach Blickwinkel und Lichteinfall unterschiedlich wirken. Gerade diese Arbeiten kamen in den rauen Räumen des Partout besonders schön zur Geltung.
Kunstmesse “Eine Zeitreise” – Porträts im Basement16
Drei Kunststudentinnen zeichnen fremde Menschen. Mich faszinierte dabei nicht nur die Entstehung der Porträts, sondern vor allem der Moment, in dem die Zeichnerinnen ihre Bilder zeigen und gespannt auf die Reaktion ihres Gegenübers warten. Meinen Blick auf die Messe im Basement 16 findet Ihr hier.
Trügerische Landschaft – AdK im Kalandersaal
Eine alte Industriehalle, eindrucksvoll inszenierte Kunst und stille Fotografien, die von schweren Schicksalen erzählen. Meinen persönlichen Rückblick auf die AdK-Ausstellung „Trügerische Landschaft“ im Kalandersaal, findet Ihr hier.
Sein und Zeit – Manuele Klein und Detlev Weigand
Eine Tür, die eigentlich nur im Weg stand, und eine Ausstellung, die meinen Blick auf Kunst und Alltagsgegenstände verändert hat. Alles über die Begegnung mit Manuele Klein und Detlev Weigand in den LUX-Hallen, findet Ihr hier.
Paper Minds im Kunstmuseum Villa Zanders
Papier als Kunstwerk: Von einem filigranen Papierschnitt, der mich zunächst an einen Busfahrplan erinnerte, über die Kunst des Weglassens bis zu einer überraschenden Geschichte über Chromolux aus Bergisch Gladbach. Meinen Rückblick auf „Paper Minds“ in der Villa Zanders, findet Ihr hier.
Anibal Maximilian Kostka – Offenes Feld
Beim Betreten der Ausstellung „Offenes Feld“ im Partout Kunstkabinett blieb mein Blick an zwei schwarzen Zeichen hängen: „F95“. Mein erster Gedanke: Fortuna Düsseldorf? Der Verdacht liegt nahe.
Es würde jedenfalls zu Anibal Maximilian Kostkas Arbeiten passen. Er verwendet ausgediente Tischtennisplatten, auf denen Menschen gespielt, gesessen, gemalt oder ihre Spuren hinterlassen haben. Kratzer, Risse, Kreidezeichnungen und Graffiti werden so zu Bestandteilen seiner Bilder.
Die Platten stammen von konkreten Orten, ihre Gebrauchsspuren bleiben erhalten. Was zunächst wie eine ziemlich profane Tischtennisplatte aussieht, wird zu einer Fläche voller Zeichen und Strukturen, beinahe zu einer Karte.